Der Paradigmenwechsel bedeutet den Wechsel von falschen Annahmen zur Einsicht in die Systemwirkungen. Die Irrtümer waren der Glaube an ein Mobilitätswachstum und an eine Größe, die es nicht gibt, eine Zeiteinsparung durch Geschwindigkeit. Die durchschnittliche Zahl der Wege pro Tag ist im System eine Konstante und die Mobilitätszeit auch.

Die alles bestimmende Geschwindigkeit von früher wird damit wertlos und schadvoll. Die Normalgeschwindigkeit in Siedlungsräumen ist die der Fußgänger, des Radverkehrs und für technische Verkehrssysteme maximal mit 30 km/h begrenzt. Weil bis zu diesem Wert noch in Eigenverantwortung gehandelt werden kann. Der öffentliche Raum, in dem Autofahrten zu den eher seltenen Ereignissen zählen, wird wieder von allen kultiviert genutzt.

Eine Maßnahme zur schrittweisen Einführung dieser Verkehrskultur sind Gemeinschaftsflächen und in manchen Übergangszonen die 20km/h Hilfe für jene, die sich mit der menschlichen Kultur noch schwer tun.

Nimmt man die Geschwindigkeiten und die Abstellplätze aus den Siedlungen, kehrt wieder Leben in diese ein. Niedrige Tempi verbrauchen nicht nur nicht weniger Platz, den man für mehr Grün verwenden kann, sondern schonen auch die Nerven, damit man mehr vom Grün hat .In den Innenbezirken von Wien nimmt die Einwohnerzahl seit 2002 ständig zu und der Autobestand immer mehr ab. Im gleichen Tempo beleben sich die ehemaligen Abstellplätze für Autos mit Menschen, Geschäften und Aktivitäten, die beweisen, dass das Verkehrsaufkommen steigt, wenn die Autos draußen bleiben. Eigentlich zwingend logisch, wenn man die Welt nach dem Paradigmenwechsel versteht, was kinderleicht ist, außer man ist traditionell “ausgebildet”. Wie leicht es ist, soll gezeigt werden.

Professor Hermann Knoflacher